Frankfurt macht den Phönix

1. Bundesliga Nord - Herren

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Christopher Tiess

In einem an Dramatik kaum zu überbietenden Einzel-Spieltag erkämpfen sich die Herren des Frankfurter GC den Sieg. Sie verweisen den GC Hösel knapp auf Platz zwei. Den Hamburger Hausherren bleibt nach Stechen nur Platz drei.

Hamburg - Was war denn das für ein Spieltag! Ein Tag, der an Spannung und Nervenkitzel kaum zu übertreffen war. Ein Tag, der sich anfühlte wie ein großes Saisonfinale! Und dabei war heute eigentlich nur der ganz reguläre dritte Spieltag der KRAMSKI Deutschen Golf Liga presented by Audi. Wer Überraschungen mag, war hier jedenfalls genau richtig! Und diese Überraschungen fangen an der Tabellenspitze an. Schon gestern hatten die Herren des Frankfurter GC eine Visitenkarte abgeliefert, mit der kaum jemand gerechnet hat: Sie holten sich nach den Vierern die Halbzeitführung.

In den heute ausgespielten Einzeln sollten sie diesen ersten Tabellenplatz erfolgreich verteidigen können. Damit hatte selbst Coach Jan Förster anfangs nicht ganz rechnen wollen - weiß er doch um die Spielstärke der sportlichen Gegner. In der Tat spielten die Hessen in ihren Einzeln lediglich das drittbeste aller fünf Mannschaftsergebnisse. Am Ende sollte der Vorsprung aus den starken Vierern jedoch reichen. 27 Schläge über Par lautete das Spieltagergebnis der Frankfurter. Und nicht ein Schlag mehr hätte es sein dürfen. Denn der Widerstand der Ligakontrahenten war erbittert. So landeten die Aufsteiger des GC Hösel mit 28 Schlägen über Par auf Platz zwei. Schlaggleich fanden sich die Hausherren des Hamburger GC auf Platz drei wieder. Eine enge Kiste bis zum letzten Schlag also.

Frankfurt fokussiert und mit Spirit

So sicherte der spät gestartete Frankfurter Tour Pro Max Röhrig seinem Team an Bahn 17 ein wichtiges Birdie. Und auch Ben Bradley, bekannt und berüchtigt für seine starken späten Spielphasen, notierte an Bahn 17 die so wichtige „4“. Dass Bradley seine Birdie-Chance an Bahn 18 nicht nutzen konnte, war schnell vergessen, nachdem er das Par mit einem kurzen letzten Putt sicherte. Denn mit Jannik de Bruyn war der letzte Höseler Spieler bereits im Clubhaus. Und der letzte auf dem Platz stehende Hamburger, der amtierende Falkensteiner Clubmeister Sebastian Sliwka, hätte sein Team zu diesem Zeitpunkt höchstens noch per Par auf Platz zwei spielen können - an den Frankfurter jedoch führte kein Weg mehr vorbei.

Kein Wunder, dass dem Frankfurter Trainer die Erleichterung anzusehen war. Jan Förster kommentiert das Abschneiden: „Hier hinzufahren und zu wissen, dass man Tabellenletzter ist, ist schon Druck genug. Wir wollten aber trotzdem nur unser eigenes Ding machen. Das heute waren fünf Punkte gegen den Abstieg und da wird es sich beim nächsten Mal sicherlich leichter spielen. Dabei hatten wir heute einige katastrophale Starts - aber nach hinten raus haben die Jungs richtig Kampfgeist gezeigt. Wir sind in den schwierigen Situationen fokussiert geblieben und haben uns die wichtigen Schläge geholt. Zwischendurch lagen wir mal sechs Schläge hinter Hösel und vier Schläge hinter Hamburg. Genau in der Lage haben die Jungs nochmal Gas gegeben und da bin ich stolz drauf. Die Jungs sind hungrig und das macht viel Spaß.“

Mit den vollen fünf Punkten des Tagessiegers katapultieren sich die Frankfurter auf einen Schlag in das vor diesem Spieltag gar nicht existente Mittelfeld der Ligagruppe. Und natürlich möchten die Herren vom Main beim nächsten Spieltag in Hösel genau hier weitermachen. Allerdings: ob auch Playing Pro Max Röhrig beim nächsten Spieltag wieder mit dabei sein wird, steht noch nicht fest. Hoch willkommen wäre der Leistungsträger, der heute mit seiner Par-Runde (71 Schläge) das beste Frankfurter Einzelergebnis beigesteuert hat, auf jeden Fall.

Enge Kiste auf dem Podium

Und der GC Hösel? Die Aufsteiger aus dem Rheinland sichern sich den zweiten Platz knapp vor dem Hamburger GC, der die heutigen Einzel-Matches mit Abstand als beste Mannschaft abschloss. Dabei stand die Aufteilung der Podiumsplätze praktisch bis zum letzten Schlag auf des Messers Schneide. Und die Höseler konnten dabei am Ende nur zuschauen: Denn als Hösel bereits alle seine Spieler im Clubhaus hatte, hing das Spiel am schon erwähnten Hamburger Sliwka, der heute mit 69 Schlägen (-2) eine der besten Runden des gesamten Feldes spielte.

Sliwka hatte seinen Drive an Bahn 18 allerdings unglücklich in das rechte Rough gesetzt und konnte diesen lediglich mit einem kurzen Rescue-Schlag zurück auf das Fairway spielen. Von dort aus schlug er seinen dritten Schlag dann jedoch so gezielt an die Fahne, dass ihm lediglich ein Ein-Meter-Putt zum Par blieb. Locht Sliwka diesen Putt, sichert er seinen Falkensteinern den zweiten Platz. Aber der junge Hamburger zeigt vor heimischer Kulisse Nerven und vergibt der kurzen Schlag. Am Ende bleibt ein Tap-In zum Bogey. Und die Hamburger, die nun schlaggleich mit Hösel sind, unterliegen im Kartenstechen, weil bei schlaggleichen Ergebnissen die Streicher zur Wertung hinzugezogen werden. Und hier haben die Höseler Herren einfach die besseren Scores abgeliefert.

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  • Julian Hausweiler vom GC Hösel spielte in seinem Einzel eine 73 (+2). (Foto: DGV/Tiess)
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  • Kimme und Korn: Max Hirsch nimmt Maß für seinen Schlag in das zweite Grün seiner Einzelrunde. (Foto: DGV/Tiess)
  • Mit gewissen Schwierigkeiten unterwegs: Phillip Konnikov (G&LC Berlin-Wannsee) spielte... (Foto: DGV/Tiess)
  • ...seine Einzelrunde mit 78 Schlägen (+7). (Foto: DGV/Tiess)
  • Daniel Tack (Frankfurter GC) war auch heute wieder gut drauf und servierte eine gute 73 (+2). (Foto: DGV/Tiess)
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Dabei hatten sich die Hamburger stark von dem gestrigen Faux Pas befreit, haben sich durch die Ränge gespielt und phasenweise die Spitze der Tabelle eingenommen. Der Falkensteiner Coach Matthias Boje stellt daher mit gemischten Gefühlen fest: „So grausam kann Sport sein. Die Jungs haben das heute gut gemacht. Sie haben den Kampf angenommen und alles gegeben. Am Ende mit einem Schlag Rückstand auf den Führenden nur Dritter zu werden, ist unglaublich schade. Wir konnten unsere Arbeit aus den Vorwochen einfach nicht belohnen. Verloren haben wir das Spiel aber dann doch gestern in den Vierern. Heute hat es dagegen richtig Spaß gemacht, wieder mal über eine lange Zeit um den Spieltagsieg mitzuspielen. Ich glaube, das war für uns alle ein gutes Gefühl und ich bin richtig stolz auf die Leistung der Jungs heute. Da bleiben wir dran und arbeiten weiter an uns - und versuchen, uns in den beiden Spieltagen, die da noch kommen, zu belohnen.“

Der Griff nach den Sternen

Für die Höseler hingegen ist das heutige Ergebnis deutlich außerhalb der Erwartungen - und das im positivsten Sinne. Trainer Christian Niesing zieht sein Fazit zum Spieltag: „Im Grunde sind unsere hier erzielten Scores nicht wirklich gut gewesen. Die Bedingungen waren allerdings für alle so schwer, dass wir im Vergleich zu den anderen Mannschaften sogar sehr gut abgeschnitten haben. Wir sind hier angereist und haben uns gesagt, dass es super wäre, wenn wir drei Punkte holen. Selbst wenn wir nur zwei Punkte holen, wäre das immer noch gut. Dass wir nun sogar vier Punkte holen, ist mehr als erwartet und dass wir nun auch noch Tabellenführer sind, ist eine total witzige Sache. Dass wir damit happy sind, ist logisch.“

Auffällig ist dabei, mit was für einer guten Laune und Körpersprache die Aufsteiger auch heute wieder auf Platz anzutreffen waren. Niesing erklärt dazu: „In unserem Team herrscht eine konzentrierte Lockerheit und viel Spaß im Team. Unsere Mannschaft besteht aus tollen Spielern, die richtig Bock auf die Sache hier haben.“ Mit Blick auf die heute eingenommene Tabellenführung sieht Niesing sich zudem mit einem Luxusproblem konfrontiert: Er muss seine Zielstellung für die Saison korrigieren: „Wenn man jetzt den Punktestand anschaut, müsste der Klassenerhalt für uns so ziemlich gesichert sein. Und tatsächlich wäre es doof, wenn man sich nicht nach oben orientieren würde. Das ist zwar das erste Mal, dass ich das so sage, aber bei der aktuellen Tabellensituation wären wir happy, wenn wir ins Final Four kommen.“

Hubbelrath versumpft an der Elbe

Ganz anders ging es da heute bei den bisherigen Gesamtführenden vom GC Hubbelrath zu. Die amtierenden Deutschen Mannschaftsmeister sind in den gestrigen Vierern untergegangen und starteten heute von Platz fünf aus mit einer heftigen Hypothek in die Einzel. Allerdings sollten die spielstarken Rheinländer ihre PS im spielbegleitenden Regen nicht in gute Golfrunden ummünzen können. Mit 20 Schlägen über Par schlossen sie ihre Einzel-Matches ab - mehr Schläge haben nur die von Platz zwei auf Platz fünf durchgereichten Wannsee-Herren zu verbuchen. So bleiben es für die Spieltagwertung sogar 41 Schlägen über Par und damit ganze 13 Schläge Abstand zu Platz drei. Nur der G&LC Berlin-Wannsee, der heute einen rabenschwarzen Tag erwischt hat, schnitt noch schwächer ab. 31 Schläge über Par in den Einzeln lösen hier die gute Vorarbeit aus den Vierern in Luft auf. Mit 44 Zählern über Par für den Spieltag bleibt dem G&LC Berlin-Wannsee nur Platz fünf.

Die Ligatabelle wird durch den Frankfurter Sturm und Drang gehörig aufgewirbelt. So ist der GC Hösel mit 13 Punkten neuer Gesamtführender. Hubbelrath rutscht mit insgesamt elf Punkten auf Rang zwei ab. Auf Platz drei folgen die Spieltagsieger aus Hessen, die sich mit nunmehr neun Punkten aus dem Tabellenkeller heraus manövrieren. Der Hamburger GC liegt mit sieben Punkten auf Platz vier der Gesamtwertung. Und so stehen die Herren des G&LC Berlin-Wannsee neuerdings alleine in den Niederungen der Tabelle. Lediglich fünf Punkten konnten sie aus den bisherigen Spieltagen für sich verbuchen.

Dass sich die Tabellensituation schnell ändern kann, hat dieser dritte Spieltag eindrucksvoll gezeigt. In jedem Fall ist die Liga an diesem Wochenende eng zusammengerückt. Der nächste, dann vierte, Spieltag der KRAMSKI DGL presented by Audi findet am 21. und 22. Juli im GC Hösel statt. Dann werden nicht nur weitere Punkte verteilt, sondern wahrscheinlich bereits die eine oder andere Vorentscheidung für die Saisonwertung getroffen.

Zum Livescoring

  • Zwei für den Vierer: Frederik Strünker und Kenji Nakajima sind eine gesetzte Paarung für den GC Hubbelrath. Dabei... (Foto: DGV/Tiess)
  • ...setzt Frederik Strünker seinen Schlag ins Grün dieses Mal... (Foto: DGV/Tiess)
  • ...ungewollt nicht ganz kollegial hinter das Grün über die Bunkerkante in das fiese Rough. Resultat: Triple Bogey für das Par 5. Da geht... (Foto: DGV/Tiess)
  • ...Nakajima mit gehörigem Groll auf den nächsten Abschlag und macht klar:... (Foto: DGV/Tiess)
  • ...dass er ganz und gar nicht vor hat, aufzustecken. (Foto: DGV/Tiess)
  • Christopher Huvermann vom GC Hösel spielte seinen Vierer gemeinsam mit... (Foto: DGV/Tiess)
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