Nord-Süd-Duell der Damen

Final Four

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Matthias Lettenbichler

Im Norden war es ein Kopf-an-Kopf-Rennen, im Süden ein Start-Ziel-Sieg: In der 1. Bundesliga der Damen sind der G&LC Berlin-Wannsee und der Hamburger GC sowie der GC St. Leon-Rot und der GC München Valley souverän ins Final Four eingezogen. Alle vier Teams gehen mit großem Optimismus in den Kampf um die Deutsche Meisterschaft und freuen sich auf die Matchplay-Partien.

Hamburg – Nachdem die Saison 2020 Corona-bedingt ausgefallen und die Deutsche Mannschaftsmeisterschaft im Oktober ersatzweise per Pokal-Wochenende am Hardenberg im Zählspiel-Modus entschieden worden war, kehrt die Deutsche Golf Liga presented by All4Golf in diesem Jahr zum Final Four zurück: Zum Matchplay-Showdown mit Halbfinale und Finale, zu den Duellen der vier besten Teams der Saison 2021. In der Vorschlussrunde treffen der Seriensieger und in der Süd-Liga ungeschlagene St. Leon-Rot und der Hamburger GC sowie das Team des G&LC Berlin-Wannsee und Final-Four-Novize Valley aufeinander.

Valley: Neuling mit Ambitionen

Das Team aus Südbayern konnte in diesem Jahr zwar keinen Spieltag für sich entscheiden und wurde zum Abschluss der Ligarunde auf dem Platz des Münchener GC gar nur Fünfter, doch Trainer Danny Wilde macht keinen Hehl aus der Zielsetzung des Clubs beim Final Four: „Wir fahren da hin, um zugewinnen“, formuliert er unmissverständlich das Ziel der Hamburg-Reise. 16 Zähler hat Valley an den fünf Spieltagen gesammelt, war dreimal Zweiter und einmal Dritter, hat damit Rang 2 des Gesamtklassements souverän erreicht. Der Ausrutscher auf dem Platz des Münchener GC ist für den Coach kein großer Beinbruch – ganz im Gegenteil: „Die Erwartungshaltung ist dadurch nicht ganz so groß.“ Tatsächlich hatte der Cheftrainer der Damen und auch der Herren des GC Valley München ein schwächeres Abschneiden seines Teams in München von vorneherein eingeplant: „Wir sind diesen Spieltag völlig anders angegangen. Es gab die Vorgabe, sehr aggressiv auf den Lochgewinn zu spielen, denn genau das erwartet uns beim Final Four: Ein hochkarätiges Matchplay-Turnier.“

Auch, dass dieser Plan nicht ganz aufging und gemessen am Vorhaben auf dem Platz des MGC viel zu wenige Birdies fielen, hält Wilde nicht für tragisch: „Dieses Wochenende im Münchener GC war für uns ein großer Lernerfolg. Es hat meinen Spielerinnen gezeigt, dass zu aggressive Schläge und ein dauernder Angriff der Fahne auch nicht immer zum Erfolg führen.“ Auf diesen Lernerfolg setzt er daher für das Final Four, und dann auch wieder auf seine Spitzenspielerinnen Verena Gimmy und Chiara Horder, die „in München schon sehr gefehlt haben“ (Wilde), auf Gut Kaden aber wieder für Valley an den Abschlag gehen werden. Mit dem Ziel, den DM-Titel 2021 nach Bayern zu holen. „Wir gehen gelassen und gut vorbereitet ins Final Four. Die Routiniers der anderen Clubs sind in Bezug auf Kadergröße und Clubhistorie vielleicht leicht im Vorteil. Das schmälert jedoch nicht unsere Motivation, sondern beflügelt sie eher. Unsere Chancen sind sehr gut“, so der Coach.

St. Leon-Rot: Messen mit den Besten

Während für Final-Four-Neuling Valley der Einzug ins Finale des Turniers ein großer Erfolg und der Gewinn der DM sicher eine kleine Sensation wäre, bliebe die Spielzeit 2021 für ein anderes Team unvollendet, wenn es am Ende den großen Pokal nicht nach Hause nehmen dürfte: Für den GC St. Leon-Rot. Als einzige Mannschaft ziehen die Damen des Kraichgau-Clubs ungeschlagen ins Highlight-Wochenende auf Gut Kaden ein, haben mit fünf gewonnen Spieltagen die maximal möglichen 25 Punkte gesammelt und damit nominell bereits eine „Perfekte Saison“ in der Süd-Liga gespielt. Wobei Trainer Sebastian Buhl im Anschluss an den Sieg am 5. Spieltag in München feststellte: „Wir sind zweifellos sehr glücklich darüber, dass wir alle fünf Spieltage gewonnen haben. Perfekt kann die Saison aber natürlich erst in Hamburg werden, wenn wir uns dort den Meistertitel holen. Erst da erwarten uns beim Matchplay die großen Brocken, und erst wenn wir auch die bewältigt haben, kann man vielleicht von einer perfekten Saison sprechen“, so Sebastian Buhl. „Wir haben uns sehr intensiv auf das Final Four und das Matchplay-Format vorbereitet, und ich hoffe, dass wir unsere Leistung abrufen können. Meine Spielerinnen gehen sehr strukturiert an die Sache heran und haben die Vorgabe sehr gut umgesetzt, die wichtigen Dinge immer ein kleines Stück besser zu machen.“

  • Final Four / Deutsche Golf Liga presented by All4Golf 2021. Foto: DGV/mat
  • GC St. Leon-Rot, Sieger der Süd-Liga 2021. / Final Four / Deutsche Golf Liga presented by All4Golf 2021. Foto: DGV/mat
  • Final Four / Deutsche Golf Liga presented by All4Golf 2021. Foto: DGV/mat
  • G&LC Berlin-Wannsee, Sieger der Nord-Liga 2021. / Final Four / Deutsche Golf Liga presented by All4Golf 2021. Foto: DGV/stebl
  • Final Four / Deutsche Golf Liga presented by All4Golf 2021. Foto: DGV/mat
  • GC München Valley, Vizemeister der Süd-Liga 2021. / Final Four / Deutsche Golf Liga presented by All4Golf 2021. Foto: DGV/mat
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Gleichwohl habe das Matchplay bekanntlich seine eigenen Gesetzte, und auch deshalb sieht Buhl sein Team nicht unbedingt in der Favoritenrolle: „Man muss die Matches erst mal spielen und gewinnen – darauf müssen wir uns vorbereiten. Vor zwei Wochen in Valley haben wir gesehen, dass auch wir nicht unverwundbar sind, und wir mussten am Ende hart um den Sieg kämpfen. Aber auch dazu sind wir in Hamburg bereit. Wir wissen um unsere Stärke, jedoch müssen wir 100 Prozent abrufen, um den Titel spielen zu können.“ Doch gerade das mache auch den Reiz des Final Four aus: „Die beste Mannschaft Deutschlands zu sein, macht das Final Four so besonders. Wir freuen uns auf einen sportlich fairen Wettkampf, und darauf, und mit den Besten zu messen.“

Hamburg in der Rolle des Jägers

Mit einem der besten Teams bekommt es St. Leon-Rot zweifellos bereits im Halbfinale zu tun: Mit den Damen des Hamburger GC. Mit einem Tagessieg und zwei zweiten Plätzen spielte sich die Equipe von Christian Lanfermann in der im Norden Corona-bedingt auf drei Spieltage verkürzten Saison mit 13 Zählern auf Rang 2 der Tabelle, nur einen Punkt hinter dem G&LC Berlin-Wannsee. Dabei entschieden die Berlinerinnen den Sieg in der Nord-Liga am letzten Spieltag für sich, als sie vor eigenem Publikum mit dem hauchdünnen Vorsprung von zwei Schlägen vor den Hamburgerinnen triumphierten. „Auch wenn wir im ersten Moment enttäuscht waren, dass wir den Spieltags-Sieg knapp um zwei Schläge verpasst haben, gehen wir gestärkt aus diesem Spieltag heraus. Wir haben zum wiederholten Male bewiesen, dass wir noch eine Schippe drauflegen, wenn es darauf ankommt“, so Lanfermann. „Auch wenn wir im Halbfinale des Final Four gegen St. Leon-Rot vermeintlich in der Außenseiterrolle sind, freuen wir uns auf diese Aufgabe. Wir wissen, was wir können, und wir haben viel Erfahrung beim Final Four. Wir lieben die Rolle des Jägers und werden diese auch jetzt wieder annehmen. Gerade vor heimischer Kulisse werden wir alles geben und freuen uns, zum vierten Mal in Folge beim Final Four dabei sein zu dürfen.“

Christian Lanfermann hofft im Duell mit St. Leon-Rot auf die Unterstützung der Zuschauer, sieht aber keinen expliziten Heimvorteil für sein Team: „Wir spielen ja nicht auf unserem Platz in Hamburg-Falkenstein, sondern auf Gut Kaden. Insofern haben wir, was den Parcours selbst angeht, keinen besonderen Vorteil. Aber wir hoffen natürlich, dass dennoch viele unserer Fans rüberkommen, und uns auch weitere Hamburger Golffans anfeuern“, so der Coach.

Wannsee als Titelverteidiger

Nach dem Sieg beim DGV Mannschaftspokal im letzten Jahr am Hardenberg, der ebenso wie bei den Herren auch bei den Damen als Deutsche Mannschaftsmeisterschaft gewertet wurde, gibt es in diesem Jahr gefühlt zwei Titelverteidiger: Den G&LC Berlin-Wannsee, der sich im letzten Jahr in den drei Zählspiel-Runden durchgesetzt hatte, und den GC St. Leon-Rot, Sieger der Saison 2019, als eine komplette Saison und das Final Four auf Gut Kaden im Matchplay-Modus gespielt wurde.

„Ich bin stolz auf die Mannschaft, dass sie im Heimspiel den Sieg geholt hat“, so Miriam Hiller, die Sportdirektorin des G&LC Berlin-Wannsee. „Hamburg hat es spannend gemacht und uns verfolgt. Ich freue mich, dass wir nach den drei Spieltagen als Tabellenführer zum Final Four fahren und so auch ein Zeichen setzen konnten. Wir wünschen auch dem Hamburger GC alles Gute, damit wir uns als Norden möglichst stark präsentieren. Wir reisen als Titelverteidiger an und möchten den Pokal am liebsten am Sonntag wieder mit nach Berlin nehmen. In jedem Fall freuen wir uns auf ein großes Event mit Spitzengolf und Zuschauern.“

Das Nord-Süd-Duell ist also ausgerufen für das Final Four der Damen, und die Zuschauer könnten tatsächlich das Zünglein an der Waage sein. 2500 Besucher pro Tag sind auf Gut Kaden willkommen.